Die Qual der Wahl

Wir haben in diesem Jahr nicht nur politisch gesehen andauernd die Wahl. Auch sonst müssen wir aussuchen und entscheiden: Kaffee oder Tee? Lang oder kurz? Auto oder Bus? Geld anlegen oder ausgeben? Informationen wahrnehmen oder ausblenden? Viele Entscheidungen treffen wir wohl einfach so, ohne lang zu überlegen. Mit manchen schlagen wir uns aber auch lang herum. „Ein Tausendfüßler hat immer so viele Ansichten und Meinungen wie er Füße hat, weißt Du?“ sagt einmal einer zu Biene Maja und dabei kommt er nicht dazu, etwas gegen sein Rheuma zu tun. „Wärme klingt nicht schlecht, aber was, wenn Kälte das Richtige wäre, dann wäre Wärme ja genau falsch - ach, es ist zum Verzweifeln!“ Maja hört sich das Hin und Her eine ganze Weile an, geduldig, wie sie ist, aber dann reicht es ihr:  Weißt Du was, Du probierst es jetzt einfach einmal aus, dann wirst Du schon merken, was das Richtige ist.“ Manchmal hilft es, sich vorzustellen, man hätte sich für das Eine entschieden. Dann macht einen die Vorstellung schon ganz froh oder eben nicht. Manchmal muss man es wohl tatsächlich wie Maja machen und

einfach ausprobieren, wovon man geträumt hat. Sonst wird man es nie erfahren und nie mit voller Kraft wirklich leben. Hilfreich und wichtig finde ich, bei all den wirklich großen Entscheidungen ein Gegenüber zu haben, das ehrlich und klar zurückgibt, was ihm auffällt. Jemanden wie Maja, die erst einmal zuhört und dann den entscheidenden Hinweis gibt: Du musst es tun! Das ewige Hin und Her bringt dich nicht weiter! Du wirst es schon merken. Ich habe festgestellt, wenn eine Sache für mich so groß und so schwerwiegend ist, dass ich sie niemandem sonst aufbürden will, dann hilft das Gebet. Vor Gott auszubreiten und hinzulegen, vor Gott den einen Weg oder den anderen einmal

durchzuspielen, um dann beide wieder hinzulegen, das kann helfen. Da entsteht ein gewisser Abstand zwischen mir und meiner Entscheidung, so dass ich von weiter weg noch einmal Neues sehen kann. Gott wird zum Gegenüber in dieser Frage. Und manchmal hört oder spürt man seine dezenten Hinweise: Auf welchem Weg erwartest Du mehr Lebendigkeit, mehr Freude, mehr Trost? Auf welchem Weg vermutest Du eine größere Nähe zu mir? Entscheidungen wird auch dieses Jahr von uns verlangen, weil sie zum Leben dazugehören, ich wünsche uns, dass wir einander geduldige und klare Gegenüber sein können, und dass wir den Weg zueinander und zu unserem Gott dabei finden.  Die Passionszeit und der Fastenkalender dabei helfen, zumindest 7 Wochen ohne Aufschub zu erleben

Herzlich                            
Tanja Kamp-Erhardt

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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