Jahreslosung 2015:


Nehmt einander an, wie Christus
euch angenommen hat zu Gottes


Lob. Röm 15,7


 

Einander Annehmen

Liebe Gemeinde, aus der Gemeinde in Rom, an die Paulus hier schreibt, sind offenbar eine Menge an Fragen oder Probleme an ihn zugetragen worden, auf die er ab Kapitel 14 eingeht. In der Gemeinde kam die Frage auf, ob man Fleisch essen dürfe, das nicht den jüdischen Speisevorschriften entspricht und wahrscheinlich sogar Opferfleisch aus heidnischen Tempeln gewesen war. Für Paulus selbst ist diese Frage keine des Glaubens. Wer im Glauben an Jesus Christus steht, für den sind das nur Belanglosigkeiten. Doch nicht alle in der Gemeinde dachten so. Die einen haben die anderen wegen ihres schwachen Glaubens belächelt, die anderen gerieten in Glaubenszweifel und hielten das Verhalten der anderen für unchristlich. Paulus aber denkt da ganz pragmatisch. Der einen Partei sagt er, sie könnten essen, was sie wollten, rät ihnen aber, Rücksicht zu nehmen auf den schwachen Glauben der anderen. Den anderen rät er, das, was ihr Gewissen beschwert, sein zu lassen. Allen zusammen aber rät er: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Liebe Gemeinde, bei uns ist das doch auch oft so: verschiedene Auffassungen von christlicher Lebensführung, Bibelauslegung oder moralische Ansichten prallen aufeinander. Auch in unserer Gemeinde kommt es leider nur zu oft vor, dass man sich gegenseitig den (rechten) Glauben oder sogar ganz das Christ-Sein abspricht. Da heißt es dann: Der oder die kann kein richtiger Christ sein, weil er oder sie dieses oder jenes nicht glaubt (oder eben anders versteht). Da sagt man dann: Der oder die spielt sich als fromm auf und ist doch nie im Gottesdienst zu sehen. Oder umgekehrt: Der oder die rennt ständig in die Kirche, hält sich selbst für heilig und ist doch so scheinheilig und verlogen. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Jesus hat jeden Menschen so angenommen, wie er war. Er hat nicht gesagt: Du musst erst so und so werden und das und jenes glauben - erst dann heile oder segne ich dich. Aber wer ihm begegnet ist und vom ihm geheilt, gesegnet, angesprochen wurde, dessen Leben war nicht mehr dasselbe wie zuvor. Sein Glaube, seine Lebensauffassung, ja, manchmal sogar der ganze Alltag wurden von dem Sohn Gottes verändert, in Frage gestellt. So wie Christus uns angenommen hat, können wir einander vermutlich gar nicht annehmen. Aber er soll unser Vorbild darin sein, unsere Mitmenschen, unsere Mitchristen, die auch unsere Brüder und Schwestern sind, mit Geduld, mit Liebe und Toleranz zu betrachten. Toleranz ist streng genommen kein christlicher Begriff. Christliche Toleranz ist darum auch etwas anderes als Toleranz allgemein in unserer Gesellschaft. Ich soll Gott über alles lieben und meinen Mitmenschen wie mich selbst. Also niemanden verurteilen und verdammen, schon gar nicht als Person an sich. Ich kann andere christliche Auffassungen neben den meinen dulden und wenn ich sie für falsch halte, darüber ins Gespräch kommen. Weiß ich denn, ob ich richtig liege? Das wird Gott einst selber entscheiden. Und doch gibt es auch Grenzen der christlichen Toleranz. Denn Toleranz bedeutet nicht, dass ich alles für gut halten muss, was ich bei anderen sehe oder höre. Handelt oder spricht jemand nicht aus Liebe, sondern aus Hass, Ablehnung oder Neid heraus, dann bin ich sogar gefordert Nein zu sagen, notfalls sogar einzugreifen. Gegen Gewalt in Ehe und Familie. Gegen Intoleranz oder Feindschaft gegenüber Fremden. Gegen Vorurteile gegenüber Kirche und Glaube. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Wenn wir einander annehmen in unserer Gemeinde, auch wenn wir uns vielleicht manchmal ein wenig fremd sind, dann loben wir damit Gott. Dann dienen wir damit Ihm und letztlich auch uns selbst, weil wir dann ein Gegenentwurf zu unserer Gesellschaft sind, die manchmal alles zu tolerieren scheint, weil ihr alles gleichgültig ist und uns als Christen manchmal feindselig betrachtet, weil wir diese Gleichgültigkeit nicht übernehmen wollen und können. Ein Gegenentwurf, der anderen zeigen kann: Diese Menschen können lieben und verzeihen und sich gegenseitig annehmen und es ist ihnen nicht egal, wie man lebt und handelt und was man glaubt. Für das Jahr 2015 wünsche ich Ihnen allen, dass Sie sich angenommen fühlen von Jesus Christus und Ihrer Gemeinde!

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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