wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, dann ist es mitten in den Sommerferien. Die Einen waren schon in Urlaub, die Anderen fahren erst, aber die Älteren unter uns brauchen sich nicht mehr um Urlaubszeiten sorgen, sie können immer weg, wenn sie wollen. Wenn es denn noch geht… Ja, jeder der in Urlaub fährt, sei er noch berufstätig oder nicht mehr, freut sich darauf. Die Einen kuren in Bad Füssing, die anderen machen Trekking-Urlaub auf Teneriffa oder tauchen im Meer vor den Malediven. Jeder so, wie er oder sie es mag und es der Geldbeutel erlaubt. Wir Menschen heutzutage können uns gar nicht vorstellen, dass es keinen Urlaub geben könnte. Dabei sind Reisen zum reinen Vergnügen keine Gewohnheit, die wir Menschen schon immer gehabt haben. Die Landbevölkerung konnte nicht verreisen, man musste sich schließlich um Vieh und Äcker kümmern. Das kennen so einige von Ihnen auch noch aus Ihren Kindheitstagen in unseren Dörfern. Wenn man in früheren Zeiten verreiste, dann aus Gründen der Notwendigkeit. Es gab Geschäfts- und Handelsreisen in die nähere Umgebung oder

Ferien

                    ihre Pastorin        
Dagmar Krauth-Zirkt

auch in die weite Ferne. Es gab Pilgerreisen und leider auch Kreuzzüge. Die Könige oder Fürsten reisten durch ihre Länder und Residenzen zum Regieren und Politik machen. Niemand wäre auf die Idee gekommen freiwillig oder aus Spaß eine Reise zu machen. Warum nicht? Nun, Reisen waren damals oft lebensgefährlich. Doch im 19. Jahrhundert hat sich das geändert. Die Natur war gezähmt, die Banditen, die den Reisenden auflauerten wurden von den Staaten im Zaum gehalten. Die Industrialisierung nahm zu. Reisen war nun relativ ungefährlich und die reicheren Leute fingen an in die Sommerfrische, vor allem ans Meer zu fahren. Und die armen Leute, das sogenannte Proletariat, arbeiteten nicht mehr als Tagelöhner, Knechte oder Mägde auf dem Land, sondern in Bergwerken und Fabriken unter elendsten Bedingungen. Klar, dass die ihrem tristen und anstrengenden Alltag auch einmal entfliehen wollten. Es dauerte, bis auch sie von Rechts wegen einen Urlaubsanspruch hatten und auch mal wegfahren konnten oder wenigstens ihre freie Zeit in ihren Schrebergärten verbringen konnten. Urlaub, Ferien, freie Zeit - Zeit für mich. Zeit zum Entspannen oder Zeit, um etwas Besonderes zu erleben. Neue Städte oder Länder, fremde Kulturen kennenlernen. Wer tut das heutzutage nicht gern? Gott selbst ist es ja, der uns unsere Lebenszeit geschenkt hat. Er möchte zwar nicht, dass wir unsere Zeit mit Müßiggang und in Faulheit oder Langeweile verbringen. („Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“) Aber er will auch nicht, dass wir uns tot arbeiten und sich alles in unserem Leben um Erfolg, Geld und Effektivität dreht. Er weiß, wer hart arbeitet, muss auch Zeiten des Ausruhens haben. Zwar hat Gott nicht den Urlaub erfunden, aber freie Zeit für alle Menschen und sogar für die Tiere. Jeder, der an den Gott Jahwe glaubte, wusste: dieser Gott will nicht nur, dass ich ihn anbete und Zeit für ihn habe, sondern er gibt auch mir Zeit für mich und meine Familie. Ja, er hat sogar ein eigenes Gebot für uns Menschen dazu erfunden: Halte den Sabbattag, dass du ihn heiligst. Denn sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhn. Und mit dir auch deine Kinder, deine Knechte und Mägde, dein Sklaven und auch dein Vieh. Ich denke daraus lässt sich auch guten Gewissens der Urlaub ableiten. Gott möchte, dass wir nicht nur funktionieren müssen in unserem Alltag, sondern dass wir auch die Gelegenheit haben, innezuhalten. Zeit, um uns zu fragen: Wo stehe ich mit meinen Beziehungen? Was ist mir wichtig in meinem Leben? Wie und für wen setze ich die begrenzte Zeit meines Lebens ein? Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? Wenn ich das tue und mich im Urlaub oder auch am Wochenende nicht nur in Aktionismus verfalle oder künstliche Abenteuer suche, dann werde ich nicht nur in meinem Glauben weiterkommen, sondern auch einen entspannten Urlaub (oder Wochenende) haben, ohne das Gefühl zu haben, ich muss in den wenigen Tagen meiner freien Zeit alles nachholen, was ich in diesem Jahr angeblich verpasst habe. Ihnen allen wünsche ich entspannte Urlaubstage, egal wo oder wann.

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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