In ihrer Heimat war sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Der Liebe wegen kam sie nach Deutschland. Sie und ihr Mann bekamen ein Kind, sie ließ den Sohn aus ihrer Heimat nachkommen. Weil sie bis heute kein gutes Deutsch spricht, kann sie nur als Reinigungskraft arbeiten. Die kleine Familie kommt so gerade über die Runden. Er war Ziegenhirt in seinem Land. Der einzige Sohn seiner Familie. Seine Eltern hatten Angst, er könne, wie so viele junge Männer entweder von den Rebellen oder von den Regierungstruppen gezwungen werden, Soldat zu werden. Er wollte nicht töten und nicht getötet werden, also legte das ganze Dorf Geld zusammen, damit er nach Europa fliehen konnte. Zwei Jahre dauerte die Flucht, bis er nach Deutschland kam. Nun lebt er schon ein Jahr in einem Flüchtlingsheim. Er ist erst 19. Was soll nur aus ihm werden? Die kleine Familie kam aus Palästina, aus einem besetzten Gebiet. Ihr drohte politische Verfolgung, also flohen sie aus ihrem Land. Aber nicht nach Europa, sondern ins Nachbarland Ägypten. Nach zwei Jahren konnten sie wieder

Flucht

in ihre Heimat zurückkehren. Der Mann arbeitete wieder als Handwerker und sie bekamen noch viele weitere Kinder. Hat die letzte Geschichte ein Happy End? Wie man´s nimmt. Die ersten beiden Personen unserer Lebensgeschichten leben heute hier und jetzt in unserer Nachbarschaft. Ich will ihre Namen nicht nennen, es könnte sie jemand kennen. Die kleine Familie aus Palästina, nun, das ist schon so lange her. Aber ihre Namen, die kennt heut jeder noch: Maria, Josef und ihr kleiner Sohn Jesus. Ja, auch die drei sind einmal Flüchtlinge gewesen. Und von außen her betrachtet, könnte man sagen, dass Jesus nie wirklich Fuß gefasst hat in seiner Heimat. Sobald er erwachsen war, lebt er jahrelang als Landstreicher und Obdachloser. Zwar begleiteten ihn dabei einige Freunde, doch schon mit Anfang dreißig fiel er politischer und religiöser Verfolgung zum Opfer. Diesmal konnte und wollte er nicht fliehen. Er wurde hingerichtet und starb einen grausamen Tod. Also kein Happy End. Oder doch? Es hieß, er wäre vielleicht doch nicht tot. Es hieß, er sei wieder lebendig geworden. Gott habe ihn wieder auferweckt. Von Farouk oder Mustafa hört man nichts mehr, wenn sie auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind oder in Jordanien verhungern oder verdursten. Den Namen von eurem Urururururgroßvater kennt keiner mehr. Wir wissen nur, dass er gelebt haben muss, denn sonst gäbe es uns nicht. Aber Jesu Namen kennen wir heute noch. Wir feiern seine Geburt, wir betrauern seinen Tod. Wir können sogar mit ihm reden, weil Gott ihn wieder lebendig gemacht hat und er selber wie Gott ist. Also doch ein Happy End? Ja, ein Happy End für uns. Denn er ist für uns da. Heute noch. Und nicht nur an Weihnachten. Er will auch für die anderen da sein. Die heute auf der Flucht sind. Die sich heute hier in Deutschland noch nicht zuhause fühlen. Egal, ob sie an ihn und seinen Vater glauben oder nicht. Er will für sie alle da sein. Wir müssen es ihnen nur sagen. Damit auch ihre und natürlich auch unsere Seele eine Heimat finden. Eine frohe Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes Neues Jahr wünscht Ihnen
 

                    ihre Pastorin        
Dagmar Krauth-Zirkt

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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