Gemeindebericht 2009 zum Thema:
„Christus ist unser Friede (Eph 2, 14) -
Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert (Mt 10, 34).
Unser Umgang mit Konflikten in Gemeinden und Kirchenkreis Konflikte zwischen Einzelnen
Selten wird direkt das ausgesprochen, was eigentlich Sache ist. Lieber behält man es noch
ein bisschen bei sich, lässt es gären und rumoren - „um des Friedens willen“, bis an einer
Kleinigkeit mit viel Emotion die Kritikblase platzt. Als wirklich zielführend erlebe ich, wenn das Gespräch gesucht wird: „Ich bin da irritiert…“ Schon oft habe ich erlebt, dass allein das offene Wort hilft, Missverständnisse und Gerüchte zumindest zum Teil auszuräumen.
Vielleicht haben wir nicht ordentlich gelernt, Kritik zu üben und zu ertragen, Sach- und
Beziehungsebene auseinanderzuhalten. Gemeinde könnte der Ort sein, an dem geübt wird,
wahrhaftig miteinander umzugehen, den andern anders sein zu lassen und miteinander den
tragenden Grund, auf dem wir einander begegnen, zu feiern.
Konflikte in Familien
In der Seelsorge kommen natürlich Familienkonflikte vor. Sehr vorsichtig werden sie geäußert,
lieber erst im Nachhinein erzählt. Auch hier scheint es nicht einfach, das klare Wort zu
finden.
DIE 07 BRÜCKE
Bei Trauerbesuchen kommt es vor, dass völliges Verstummen am Tisch sitzt, es kommt
aber auch vor, dass gerade dieses Gespräch genutzt wird, um endlich einmal auszusprechen,
was war.
Sichtbar werden Familienkonflikte für die Gemeinde häufig im KU. Sinnvoll und hilfreich
wäre hier ein Nachfragen. Aber nicht immer zu leisten
Konflikte an Strukturen
„Ist das so, ich meine, muss das so?!“ (Judith Holofernes) Wenn die neuen Zahlen kommen,
erstarren Lebensfreude und Tatendrang. Haupt- und Ehrenamtliche haben das Gefühl, mit
Arbeit bereits vollkommen eingedeckt zu sein - „Du bist ganz schön bedient!“ (Tocotronic)
- und nun noch immer mehr zu müssen. Verteilungskämpfe, Angst, Erstarren.
Wie soll etwas wie Notfallseelsorge möglich sein, wenn gleichzeitig die Gemeindearbeit
weitergeht und immer mehr für weniger wird?!
Beim gemeinsamen Mitarbeitendendank mit den Kirchengemeinden Erda und Großaltenstädten,
einem Wellnesstag für Leib und Seele, haben wir miteinander erlebt, was uns
guttut: Sich selbst aufrichten zwischen Erde und Himmel, einander begegnen als Bruder und
Schwester in Gott, miteinander essen und trinken, sich im Gebet treffen.
Natürlich geben gewisse Strukturen Halt und Sicherheit und gern bin ich in Gesprächen
auch bereit, für ‚die Kirche’ einzutreten. Etwa bei der Frage nach Kirchensteuern. Das Solidarsystem
scheint immer weniger einleuchtend zu sein. Aber machte uns das nicht einmal
aus? Jeder gebe, was er kann, auch für seinen Nebenmann.
Konflikte zwischen Gruppen
Es soll Gruppen geben, die gegen andere Gruppen in der Gemeinde Vorbehalte haben. Mir
kommt es häufig so vor, als wären es persönliche Konflikte, die zugrunde liegen. Zu beheben
s.o. Oder einfach, dass man einander nicht kennt.
In einem Diakoniepraktikum haben in diesem Sommer wieder unsere 23 KonfirmandInnen
alte Menschen in der Königsberger Diakonie kennengelernt. Sie hatten richtig Spaß daran
– beide Seiten. Wenn man so will, eine Miniprävention des Generationenkonflikts.
Irritationen über Frömmigkeitsstile
Dass wir unterschiedlich sind und unterschiedliche Gaben und Begabungen haben (vgl.
1 Kor 12), ist uns theoretisch klar, im Leben oft weniger. Es ist wirkliche Offenheit, Bereitschaft,
Mühe nötig, um einen andern zu verstehen, er ist anders! So leben wir auch unseren
Glauben unterschiedlich. Wenn man hier das Gespräch vernachlässigt, einander fremd
bleibt, kann es gefährlich werden.
Schön, intensiv und hilfreich ist m. E. der ganz persönliche Austausch über die eigene Glaubensgeschichte.
Hier wird der Mensch sichtbar als das, was er ist: Von Gott berührt.
So haben wir es etwa in unserer Konzeptionsgruppe versucht, um uns die Grundlage unserer
Überlegungen klarzumachen.
Bei der Allianzgebetswoche zu Beginn eines jeden Jahres kann ebenfalls Begegnung im
Gebet, im Raum des Glaubens stattfinden. In drei von unseren Dörfern treffen sich so unterschiedlich
geprägte Menschen, um die Welt ins Gebet zu nehmen.

Für das Presbyterium
Tanja Kamp-Erhardt, Pfarrerin

Gemeindebericht 09

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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