Liebe Gemeinde,
im Moment scheint warm die Oktobersonne, die Kinder spielen draußen mit ihren Freunden, alles ist friedlich und ruhig. Das ist zwar nicht immer so, aber warum muss ich da an das Böse denken? Sind wir heutzutage nicht pessimistisch genug? Werden wir in den Nachrichten nicht genug von schlechten Meldungen regelrecht überfallen? Mir wäre es da lieber, wir hätten da eine Jahreslosung für das neue Jahr, die ein wenig optimistischer klingt, eine, die Hoffnung und Zuversicht verkündet und unseren wunden Seelen Balsam ist. Stattdessen haben wir hier eine Kampfansage vor uns liegen. “Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.” Das Wort überwinden kann man übrigens auch mit besiegen übersetzen. Aber bei beiden Worten geht es um eine Kampfhandlung. Wenn ich jemanden überwinden oder besiegen will, dann muss ich mit ihm kämpfen. Warum aber muss ich kämpfen? Kann ich mich nicht davor drücken und friedlich mein Leben fristen, ohne

                           
Ihre Pastorin,
Dagmar Krauth-Zirk

Jahreslosung 2011

kämpfen oder siegen zu müssen? Nein, das geht nicht, meint Paulus, denn ich bin es ja nicht, die den Kampf wünscht - er wird mir aufgezwungen. Er wird mir aufgezwungen von einer Welt, in der der Egoismus vergöttert und selbst Hilfsbereitschaft einem selbst nutzen muss, wo Betrug als selbstverständlich gilt und Ehrlichkeit als dumm. Das Böse hat sich längst bei uns eingeschlichen - in unseren Strukturen, in unserem Denken und unseren Handlungen und wir erkennen es oft gar nicht mehr als solches. Das Böse kommt heutzutage meist unspektakulär daher - ohne Folterinstrumente, ohne Panzer und Waffen. Es nistet sich ein in unseren Köpfen und verursacht Vorurteile und Ablehnung gegenüber Fremden, Gleichgültigkeit gegenüber meinen Nächsten und den Glauben, dass ich sowieso immer am besten weiß, was gut für mich ist. Und obwohl letzteres so viele Millionen von Menschen glauben, verfallen sie doch den Einflüsterungen fanatischer Machthaber oder Glaubensgenossen, verfallen den verschiedensten Süchten oder Kaufbegehren und wissen nichts wirklich Sinnvolles mit ihrem Leben anzufangen. Ich kann das Böse nicht aus der Welt verbannen. Gott gab den Menschen einen (einigermaßen) freien Willen, also werden sie auch immer Böses tun und denken und verbreiten. Aber ich kann das Böse aus meinem Leben verbannen. Ich kann das Böse, das mir begegnet, besiegen! Wie? Mit Gutem, sagt Paulus. Wie macht man das? Indem ich mir Gottes Gebote vor Augen halte und versuche, sie auf die heutige Zeit anzuwenden – aber nicht nach Schema F, sondern in Liebe. Denn Gott hat ja uns so sehr geliebt, dass er für uns seinen Sohn gab, also sollen, dürfen und können wir uns auch gegenseitig lieben. Wenn ich Gott von ganzem Herzen liebe und meinen Nächsten wie mich selbst, dann habe ich es nicht nötig, ständig auf meinen eigenen Vorteil zu achten. Dann lasse ich bei anderen auch mal Gnade vor Recht ergehen und klage meine Ansprüche nicht ein. Dann habe ich aber auch die Kraft für andere einzutreten, wenn ihnen von anderen oder dem „Schicksal“ Böses widerfährt. Und ich werde versuchen, das Böse in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen und anzuprangern. Liebe Gemeinde, ich könnte jetzt konkrete Dinge benennen, aber ich denke, es ist besser, jeder überlegt für sich selbst, wo in seinem Leben sich das Böse versteckt hat und welches Böse in der Gesellschaft er mit Gutem besiegen will. Wenn wir uns das für das nächste Jahr vornehmen, dann wird das Jahr 2011 ein äußerst spannendes und fruchtbares Jahr für uns und die Gemeinde.

In diesem Sinne wünscht Ihnen Gottes Segen

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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