die Zeit, in der wir ganz klar, ganz wirklich etwas von der Leichtigkeit spüren, die eigentlich das ganze Jahr über gilt: All Eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch! (1. Petrus 5, 7) Gerade im Moment wird viel geklagt, spekuliert, schwarzgemalt, da finde ich es hilfreich und wohltuend, die Stimme aus dem ersten Petrusbrief zu hören. Was sind das eigentlich für Sorgen, mit denen wir unsere Tage füllen? Ich habe den Verdacht, dass es oftmals um Dinge geht, die gar nicht in unserer Verantwortung, in unserem Bereich liegen: Was wird aus dem Euro? Was wird aus dem Öl vor Amerikas Küste? Was wird mit dem kranken Nachbarn? Was wird aus den Kindern, die wir immer nur ein kleines Stück begleiten? Selbst wenn wir uns noch so sehr darum sorgen, wir werden keines dieser Felder ausreichend versorgen. Weil es nicht in unserer Macht steht. Wichtig wäre, herauszufinden, was wir wirklich konkret tun können gegen die Profitgier, die über Leichen geht, gegen die Vereinsamung von kranken Menschen, für ein Miteinander, das den Namen verdient.

 

                           
Tanja Kamp-Erhardt

Jetzt ist sie da

Manchmal machen wir auch Kleinigkeiten so riesig, dass sie unüberwindbare Sorgen werden: Neulich habe ich einmal wachgelegen, weil ich Schuhe gekauft hatte, die mir gar nicht gut passten. Blödsinn, aber in der Nacht wurden die Schuhe zu einem riesigen Problem. Am nächsten Tag habe ich sie einfach umgetauscht. Jetzt habe ich welche, die viel bequemer und obendrein noch hübscher sind. Warum tun wir das? Uns sorgen um Sachen, die es nicht verdienen oder die viel zu groß für unsere Sorge sind? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich weiß nur, dass solches Sorgen einen fertig macht, weil es sinnlos ist und man nichts machen kann. Käthe von Bora ließ ihren Mann auf Reisen einmal wissen, dass sie sich sehr um sein Wohlergehen sorge. Luther schreibt fast verärgert zurück: „Wir danken Euch ganz freundlich für Eure große Sorge, vor der Ihr nicht schlafen könnt. Denn seit der Zeit, seit der Ihr für uns gesorgt habt, wollte uns das Feuer verzehrt haben in unserer Herberge, hart vor meiner Stubentür. Und gestern, ohne Zweifel aus Kraft Eurer Sorge, wäre uns schier ein Stein auf den Kopf gefallen und hätte uns zerquetscht wie in einer Mausefalle. […] Ich habe Sorge, wenn Du nicht aufhörst zu sorgen, es könnte uns zuletzt die Erde verschlingen und alle Elemente verfolgen. Lernst Du so den Katechismus und das Glaubensbekenntnis? Bete Du und lasse Gott sorgen. Dir ist nicht befohlen, für mich oder Dich zu sorgen. Es heißt: ’Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der sorget für dich’, Ps 55, 23 und an vielen Stellen mehr.“ Ich glaube, es gehört Übung dazu, die Sorge wirklich Gott zu überlassen, sie im Gebet vor ihn zu bringen und dann ruhen zu lassen. Sich selbst nicht da in der Verantwortung zu sehen, wo man es nicht ist und nicht sein kann, sondern den eigenen Bereich richtig einzuschätzen und dann auch zu handeln. Ich glaube, dass der Sommer eine gute Zeit ist, das zu üben. Die Dinge, die viel zu schwer sind, einem andern zu überlassen, das, was wir uns künstlich schwer machen, einmal mit Leichtigkeit zu sehen und die gewonnene Energie dann dort einzusetzen, wo wir wirklich gefragt sind. So wünsche ich Euch und Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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