Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13, 29)

Auf unserer Ägyptenreise sind mein Mann und ich zum Sonnenaufgang auf Gebel Mousa, den Moseberg auf der Sinaihalbinsel, gestiegen. Es war eine kalte klare Nacht, wir sahen so viele Sterne, wie nie zuvor und es lag Schnee. Beduinen führten Leute wie uns auf den Gipfel, d.h. sie versuchten es. Einer rutschte auf dem ungewohnten Grund aus und konnte minutenlang darüber schimpfen, dass ‚sein Berg’ ihn so abgeworfen hat. Die Kamele, die den Besuchern sonst den Weg erleichtern, schafften nur etwa die Hälfte der Strecke. Es war eine wilde Nacht, ohne Schlaf, ohne festen Halt. In kleinen Hütten aus Bruchstein suchten wir Schutz vor dem eisigen Wind. Das Laufen ging irgendwann ohne Nachdenken, einfach so, Schritt für Schritt, der Kopf wurde frei, die Beine auch, als hätten sie nie etwas anderes tun sollen.

Natürlich, gerade, wenn man übernächtigt ist und körperliche Anstrengung hinter sich hat, wenn ergreifende Lieder gesungen werden und man in biblischen Gegenden unterwegs ist, kann einen das Gefühl auch täuschen und man rennt rauschhaft manipuliert irgendetwas hinterher. Ja, natürlich.
Auf unserem Weg den Berg hinunter kam allerdings direkt die Probe des Erlebten: Eine Nigerianerin überkam Angst vor dem fremden Weiß, vor Schnee und Glatteis. Da nahmen zwei Kanadier, die aus Polen stammten, sie bei den Händen. Sie sprachen beruhigend zu ihr: Keine Angst, fürchte dich nicht, wir halten dich! Und so haben sie es gemacht. Langsam, aber heil und gemeinsam kamen sie wieder am Fuß des Berges an.
Auch das ist Pfingsten, wenn der Geist uns anrührt, wird unser Mitmensch uns nicht ungerührt lassen – über alle Grenzen hinweg!

Herzlich                            
Tanja Kamp-Erhardt

Neulich auf dem Moseberg

Kurz vor dem Gipfel erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen, die Sonne selbst war noch nicht zu sehen, aber sie ließ die Berglandschaft um uns her sichtbar werden. Weiter, Stufe um Stufe kamen wir dem Ort näher, an dem Mose die 10 Gebote erhalten haben soll. (Auch wenn Forscher es inzwischen für wahrscheinlich halten, dass das Ereignis anderswo stattfand, ist dies der Ort, der dafür verehrt wird.) Ergriffen sahen wir zu, wie die güldne Sonne die Grenze im Osten überwand. Ein polnischer Männerchor stimmte einen Choral an. Ich kann kein Polnisch, aber ich verstand jedes Wort. Deutsche Jugendliche sah ich im Gespräch mit einem israelischen, sie scherzten miteinander und teilten ihr Picknick, ein US-Amerikaner rief: We made it to mount Sina! Eine Gruppe aus Nigeria fasste sich an den Händen und betete aus vollster Seele: We have come into your presence, o Lord!Viele Photos wurden gemacht im besonderen Licht dieses Morgens. Zwei Schwarzafrikaner sprachen uns an, wir dachten zunächst, sie würden ein Bild von sich wollen, nein, sie wollten mit uns zusammen photographiert werden: Echte Schwarze treffen echte Weiße.
Ich glaube, wir alle an diesem Morgen auf diesem Berg haben es gespürt: Wie wir zusammengehören, wie wir verbunden sind, wie wir verstehen können, ohne die Sprache des andern, sein Denken, sein Leben zu kennen.
Als ich später einer Ägypterin von diesem Morgen erzählte und davon, wie berührt wir auf dem Gipfel des Berges standen, sah ich in ihren Augen dasselbe Leuchten.
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Für mich war diese Bergtour ein Pfingstfest: Auch wenn wir nicht viel voneinander wissen, auch wenn wir einander fremd bleiben, in einem Punkt, dem entscheidenden, verstehen wir die Regung in der Seele des andern, dann nämlich, wenn unsere Beziehung zu Gott lebendig wird.

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