Wohin gehst du? Einer der ganz alten Hollywood-Schinken, der die Geschichte der ersten Christen erzählt, heißt so. Peter Ustinov als Nero, das brennende Rom und die für den Brand verantwortlich gemachten Christen in den Katakomben … Quo vadis? Der Legende nach erscheint Jesus Christus seinem Freund Petrus vor den Toren der Stadt und stellt ihm diese Frage. Vor zwanzig Jahren ist sie mir gestellt worden, ganz ernst gemeint, wirklich auf Latein. Es war in Taizé und der, der mich fragte, wollte offenbar sichergehen, dass ich ihn auch verstehe, daher wählte er die alte Weltsprache. Quo vadis?  Damals antwortete ich ausweichend, das weiß ich noch - und heute? Wohin gehst Du in diesem neuen Jahrzehnt? Wohin gehen wir in unserer Gemeinde, in unseren Dörfern? Wohin wird es mit unserem Land gehen, mit der Verteilung der Güter, mit dem Klima der Welt, dem Wirtschaftssystem? Quo vadis Welt? In dem alten Film aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wird die Frage in einer ganz eigenen Atmosphäre gestellt, das Licht 

                           
Tanja Kamp-Erhardt

Quo vadis?

wird zauberisch, wie es manchmal nach einem Gewitter ist, und ein Chor singt schöne Vokale (‚Oooooooh’). Hollywood, klar, aber vielleicht ist ja doch etwas dran. Vielleicht ist es ja so, dass sich diese Frage eine ganz eigene Atmosphäre schafft, wenn sie tatsächlich gehört wird. Wohin gehst Du? Fragt Jesus, nicht irgendwer. Lässt Du Dir diese Frage gefallen? Vielleicht können wir ein kleines Experiment machen: In den sieben Wochen der Passionszeit versuchen wir, immer mal wieder auf unsere Füße zu achten: Wohin gehen sie? Und wie gehen sie? Machen sie das, was ich will, oder was sie gelernt und geübt haben? Wohin gehe ich leichten Schrittes? Wohin muss ich ganz bewusst einen Fuß vor den andern setzen? Wohin gehst du? Und wie gehst du? Warum genau dort entlang? Trägt dir jemand deine Wege auf oder entscheidest du selbst? Was bringt dich von deinem geplanten Weg ab? Quo vadis? Ich vermute, dass bei dieser Übung zunächst einmal eins passiert: Wir gehen etwas bewusster unsere Wege. Vielleicht sogar so bewusst, dass wir uns die Frage Jesu gefallen lassen, dass sie uns zwischen die Füße gerät: „Wohin gehst du? Hat dein Weg etwas mit mir zu tun?“ Das kann einen zurückwerfen, stolpern lassen. Manchmal geht man einen Schritt vor und zwei zurück, wie beim Pilgerschritt. Es geht nur langsam vorwärts, aber dafür achtsam, aufmerksam - für die eigenen Füße, für Gott, für die anderen. Ich glaube, dass wir dem Sinn der Passionszeit so auf die Spur kommen…

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