Im Frühjahr sah ich unter einem Busch ein Stück Holz hervorlugen. Was ist denn das? Dachte ich und zog es hervor. Es war ein lang vermisstes Schäfchen von unserer Weihnachtskrippe. Es sieht ziemlich ramponiert aus, denn unser Hund muss es wohl mal erwischt, angekaut und dann im Garten versteckt haben. Jetzt habe ich es wieder. Erst habe ich überlegt: Soll ich es wegwerfen, es ist ja kaputt. Aber nein, ich werde es behalten und im Advent wieder zur Krippe stellen. Dieses Schäfchen erinnert mich an mich selbst. Im Laufe der Jahre bin ich auch ein wenig zerzaust worden – man sieht es nur nicht auf den ersten Blick. Gut, wir alle merken, dass wir älter werden und unsere Kräfte nachlassen – wenigstens ab einem bestimmten Alter. Und die meisten von uns tragen auch

Schäfchen

 innere Wunden mit sich, die man von außen nicht sehen kann. Dieses Schäfchen erinnert mich aber an noch mehr. An das Gleichnis mit dem verlorenen Schaf. Das ist nur ein ganz kleiner Text im Neuen Testament. Mit dem Reich Gottes verhält es sich wie mit einem Schäfer, der hundert Schafe hat. Als eins davon verloren geht, lässt er die neunundneunzig stehen und geht das eine Schaf suchen. Und wenn er es gefunden hat, dann freut er sich mehr über dieses Schaf als über die neunundneunzig anderen. Aber manchmal kann es eben dauern, bis so ein Schaf gefunden wird. Bei meinem Schaf war es mehr als ein Jahr, bei manchen Menschen kann das Jahre und Jahrzehnte dauern, bis sie wieder zu Gott zurückfinden, bzw. Jesus Christus sie findet. Und oft haben sie dann das Gefühl in dieser Zeit von Gott verlassen gewesen zu sein. Aber es war nicht Gott, der sie verlassen hat, sondern sie selbst haben sich von der Herde und dem guten Hirten entfernt. Der gute Hirte denkt an uns, sorgt sich um uns, wenn wir ihn verlassen. Und er sucht uns. Darauf dürfen wir vertrauen auch in dunkelster Nacht. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Wenn ich in meinen dunkelsten Stunden auf meinen guten Hirten vertraue, dann werde ich diese Erfahrung machen, die der Dichter des 23. Psalms hier beschreibt. Und glaubt mir, wir haben ihn alle nötig, diesen Hirten. Denn er gibt unserem Leben Orientierung und Sinn, zeigt uns, welcher Weg der beste für uns ist, beschützt, begleitet und beschenkt uns mit mehr, als wir je verdient haben oder verdienen könnten. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, wenn ich auf diesen Hirten traue. Und in Erinnerung an diesen guten Hirten, der uns beschützt, der uns sucht und nie vergisst, werde ich mein Schäfchen in Ehren halten. Eine gesegnete Advent- und Weihnachtszeit und ein behütetes neues Jahr wünscht Ihnen

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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