Liebe Gemeinde,
haben Sie das auch schon erlebt? Da macht man sich Gedanken, da macht man Pläne, da hat man was vor … und auf einmal wird man mitten heraus gerissen. Ein Unfall, eine schwere Krankheit bei einem selbst oder einem nahen Angehörigen und schon ist man aus der Bahn geworfen. Bei mir sind das zum Glück nur sechs Wochen, die mir mein Treppensturz und der gebrochene Fuß beschert haben, aber auch sechs Wochen können einem sehr lang werden. Dazu kommt das Gefühl, seinen Pflichten nicht mehr nachkommen zu können, die Menschen, die einem anvertraut sind, im Stich lassen zu müssen und anderen sogar noch zur Last zu fallen. Sechs Wochen sind keine lange Zeit - jedenfalls nicht im Vergleich zu denen, die eine schwere Krankheit zu bewältigen oder eine dauerhafte Behinderung davon getragen haben. Wenn ich bei mir zuhause im Rollstuhl sitze oder mit den Krücken durch die Gegend humpele, dann frage ich mich öfters, wie das wäre, wenn ich nie mehr laufen könnte. !

So Gott will

Ehrlich gesagt, kann ich mir das nicht wirklich vorstellen, denn ich lebe ja in Hoffnung. In der Hoffnung, dass alles gut geht und alles wieder so sein wird wie vorher. Das funktioniert aber nicht bei allen Menschen so. Ich kenne ein junges Mädchen, die hat eine seltene Krebsart erwischt. Natürlich hofft auch sie, wieder gesund zu werden, aber die Ärzte können ihr keine Garantien geben.

Liebe Gemeinde,
die Schreiber der Bibel wissen, wie schnell die Pläne und Vorhaben, ja, sogar das ganze Leben eines Menschen durchkreuzt werden können. Jakobus schreibt in seinem Brief an Gemeindeglieder, die vollmundig damit angeben, was sie alles tun werden, welche Geschäfte sie erledigen, welchen Profit sie machen werden. Sie gehen offensichtlich davon aus, dass alles genauso läuft, wie sie sich das vorstellen. Offensichtlich kommt bei ihnen auch noch etwas Hochmut dazu. Vielleicht glauben sie ja auch, als Christen auf der richtigen Seite zu stehen, dass Gott ihnen seinen Segen gibt und ihnen deswegen nichts passieren kann. Jakobus warnt sie und sagt: Geht nicht automatisch davon aus, dass alles so werden wird, wie ihr euch das vorstellt. Sagt lieber: So Gott will und wir leben, werden wir dies oder das tun. Dieser Satz: So Gott will und wir leben … hat Eingang gefunden in den Sprachgebrauch vieler Christen. Er fiel mir ein, als mein Fuß eingegipst wurde. Er fiel mir ein, als ich viele Termine absagen musste und Ersatz gesucht habe für Gottesdienste und andere Veranstaltungen. Ich erinnere mich noch, wie dankbar ich war, als ich nach meinem ersten Beinbruch vor acht Jahren wieder laufen konnte. Jeden Morgen habe ich Gott gedankt, dass ich einen Fuß vor den anderen setzen darf. Ich empfand es als Wunder, gesund
sein zu dürfen. Diese Verwunderung hat im Laufe der Jahre aufgehört und ich habe in letzter Zeit nie darüber nachgedacht, dass ich einen meiner vielen Termine nicht einhalten könnte. War das auch Hochmut? Ich habe auch darauf vertraut, dass Gottes Segen mir gilt. Habe ich umsonst auf Gottes Schutz und Bewahrung vertraut? Ich habe zwar in Predigten oft gesagt, dass Gottes Segen nicht immer vor Leid bewahrt. Aber wenn dann einem selbst so etwas widerfährt, dann fragt man sich: Welchen Sinn und Zweck hat das jetzt? Hat Gott mir diesen Unfall oder diese Krankheit aus irgendeinem Grund geschickt? Soll ich daraus etwas lernen? Oder war das einfach nur Pech? Gibt es überhaupt irgendeinen Sinn darin, oder ist es einfach nur ein böser böser Zufall, dass mir so etwas passiert? Ich habe darauf keine Antwort gefunden. Ich glaube aber nicht, dass Gott uns mit Unfällen oder Krankheiten prüfen will oder gar damit straft. Würde ich dies glauben, dann müsste ich an einen äußerst rachsüchtigen Gott glauben. Eine Freundin von mir hat vor Jahren Multiple Sklerose bekommen mit einem ziemlich aggressiven Verlauf. Sie glaubte, dass Gott sie mit dieser Krankheit strafen würde, weil sie nicht genug geglaubt hätte. Ich habe versucht, ihr dies auszureden und versucht klar zu machen, dass Gott jetzt von ihr erwartet, möglichst mit dieser Krankheit klarzukommen und zu leben. Aber das hat sie nicht geschafft, sie hat sich von Anfang an aufgegeben. Eine andere Freundin von mir hat Brustkrebs bekommen und da sie durch andere Krankheiten schon geschwächt war, hat sie eine Chemotherapie abgelehnt und sich nur bestrahlen lassen. Sie hat sich in ihrem Leben nie unterkriegen lassen und sie hat den Krebs besiegt. So Gott will und wir leben, werden wir dies oder das tun. Natürlich müssen wir als Menschen Pläne machen, seien wir nun gesund, krank oder behindert. Natürlich können und sollten wir auch nicht jeden Tag oder jede Minute daran denken, dass etwas oder jemand unsere Pläne durchkreuzen könnte. Aber wir können im Hinterkopf behalten, dass es Gottes Segen ist, der bewirkt, dass wir all unsere Pläne und Vorhaben umsetzen können, egal wie klein oder groß, wie wichtig oder unwichtig sie sind. Wir dürfen uns daran erinnern lassen, dass es nicht selbstverständlich ist, wenn uns gelingt, was wir uns vornehmen. Dass es nicht allein auf unsere Kraft und Fähigkeiten, allein auf unsere eigene Weisheit und Intelligenz ankommt, sondern dass Gott auch seinen Teil dazu beisteuert. Auch wenn ich mit dieser Einstellung Unglücke nicht verhindern kann, sie hilft mir doch, mit schwierigen Situationen im Leben umzugehen. So Gott will und wir leben werden wir uns bald wieder sehen – bis dahin wünsche ich Ihnen allen eine unfallfreie und krankheitslose dankbare Zeit!

Ihre Pastorin

Dagmar Krauth-Zirk

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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