Letzte Woche hat er angefangen, der Sommer. Jetzt ist er da. Wir haben uns darauf gefreut und uns zuvor über kalte oder regnerische Tage geärgert. Für mich und viele andere müssen es jedoch nicht immer Temperaturen über 30 Grad sein. Wenn dieser Gemeindebrief erscheint, sieht es mit dem Wetter sicher schon ganz anders aus. In den Gärten und auf den Feldern wächst und sprießt alles – wenn Gott genug Regen schenkt. Die Heuwagen sind schon hoch beladen in den Scheunen angekommen und auch die Ernte wird allmählich eingefahren. „Geh aus mein Herz und suche Freud“, so hat es Paul Gerhardt, Liederdichter und Pfarrer, im Jahr 1653 gedichtet. Dieses alte Kirchenlied ist nicht angestaubt oder in die Jahre gekommen. Es beschreibt unsere menschlichen Grunderfahrungen durch alle Zeiten. Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. Sommer, Sonne und mehr – endlich aufatmen, die warme

Sommer

Kleidung für ein paar Wochen in den Schrank verbannen, die Sonne auf die Haut lassen und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Das Leben ist schön. Der Kirchendichter führt uns erst einmal die Vielfalt der Schöpfung vor Augen. Da sind Pflanzen und Tiere. Ihr natürlicher Rhythmus wird durch die Jahreszeiten gesteuert. Sie genießen die Sommerzeit wie wir. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide. Zur Zeit Paul Gerhardts war das Klima noch ein ganz anderes. Es war viel kühler und regnerischer. Für uns sind Narzissen und Tulpen Frühlingsboten – damals war das anders. Aber die vier Jahreszeiten, die gibt es immer noch. Sie schenken uns eine Vielfalt der Natur, die in vielen anderen Ländern der Welt nicht möglich ist. Wir dürfen für diese Vielfalt dankbar sein und uns daran erfreuen. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Wald und Felder. Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälbchen speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen. In einer Zeit, in der der Mensch für sein tägliches Brot noch viel mehr als heute auf den Einklang mit der Natur angewiesen war, ist dieser Blick hinaus „über den Tellerrand des Menschen“ sehr normal gewesen. Unter jedem Dach lebten Menschen und Tiere miteinander. Vor jeder Haustür und hinter jedem Gartentor ging es „ins Grüne“. Wir Menschen sind zwar einmalig. Aber wir sind nicht allein auf dieser Welt. Andere Menschen, aber auch die Tiere und Pflanzen, sind uns vom Schöpfer zur Seite gegeben, damit wir miteinander leben, aus Gottes Hand. Sommer, Sonne und mehr – es ist mein großer Wunsch, dass uns die Tage des Sommers auch ein paar Stunden der Muße schenken. Auf einem Badehandtuch, einer Isomatte oder einer Decke in den Himmel schauen, sich von den Wolkenformationen bewegen lassen in der eigenen Phantasie: wir können neu spüren, was Gott sich dabei gedacht hat, als er Himmel und Erde mit allem, was „kreucht und fleucht“, gemacht hat. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen. So blühend wie der Garten im Sommer, soll aber auch unsere Seele sein und der Wunsch nach dem perfekten Sommer mündet bei Paul Gerhardt in die Sehnsucht nach dem himmlischen Paradiesgarten ein. Das sollten wir bei aller Freude über die Schöpfung nie vergessen – dass sie nur vorläufig ist und das eigentliche Glück erst dahinter beginnt. Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein- wie muss es da wohl klingen, da so viel tausend Seraphim mit unverdrossnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe. Gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat, viel Glaubensfrüchte ziehe. Welch schönes Bild! Meine Seele als Garten, in dem so manches Nützliches und Schönes wächst. Gott gießt uns mit seiner Gnade. Was wächst denn in uns? Glaube, Liebe, Hoffnung. Sanftmut, Geduld und Demut. Kraft und Ausdauer im Glauben. Viele Gaben und Fähigkeiten lässt Gott in uns heranwachsen und ich wünsche Ihnen, dass der Sommer der Gnade Gottes nicht mit unserem Sommer endet. Eine gesegnete Sommerzeit und schöne Ferien wünscht Ihnen

                    ihre Pastorin        
Dagmar Krauth-Zirkt

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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