In der Wochenzeitung „Die Zeit“ gibt es seit einer einiger Zeit eine Rubrik mit der Überschrift: „Was mein Leben reicher macht“. Dort beschreiben Leser kurz, was oder wer ihr Leben lebenswert macht. Ein Beispiel von dieser Woche: Zu meinem Geburtstag bekomme ich von meinem Sohn eine Karte mit dem Text: Liebe Mama! Zum Geburtstag gibt es diesmal nur was Kleines. Alles Liebe, Felix und Astrid. Als ich die Karte aufschlage, finde ich darin zwei Ultraschallfotos von meinem ersten Enkelkind. Natürlich sind Glücksmomente im Leben nicht immer so groß wie in diesem Falle. Die großen Ereignisse im Leben eines Menschen wie die große Liebe, Hochzeit, eine Geburt etc. sind zwar schön und wichtig im Leben, aber sie gibt es eben nicht jeden Tag, sie machen unseren Alltag nicht aus. Darum kann man auch nicht sagen, dass nur der, der verheiratet ist, Kinder hat und einen guten Job, automatisch glücklich ist oder sein Leben als reich empfindet. Was macht Ihr Leben reicher, was gibt Ihnen Lebensfreude? Es lohnt sich, mal gründlich darüber

Was mein Leben reicher macht

nachzudenken. Denn leider gibt es im Leben oft genug Momente, in denen einem die Lebensfreude verloren gegangen ist. Was macht Ihnen Freude? Ich liebe es, in ein strahlendes Babygesicht zu schauen, mit Menschen, die ich kaum kenne, gemeinsam zu lachen, anderen Menschen Trost zu geben. Ich freue mich, wenn mich jemand umarmt, wenn es jemandem wichtig ist, wie es mir geht. Mein Leben wird reicher, wenn ich morgens auf meinem zugefrorenen Auto ein Herz eingekratzt finde mit der Nachricht: Hab dich soooo lieb, Mama. Wenn Freunde mir sagen: wenn dir das zuviel ist, dann nehm ich dir was ab. Oder: Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn du willst. Das macht mein Leben nicht nur reicher, sondern kann mir auch aus schwierigen Zeiten wieder heraushelfen. Was kann uns Freude machen? Wenn an einem kalten Morgen die Sonne auf dein Gesicht scheint. Wenn die Tage wieder länger werden und die ersten Blumen aus der Erde sprießen. Wenn du ein schönes Buch liest und du dich in der Geschichte verlieren kannst. Wenn du gemeinsam mit deinen Freunden einen Film schaust, ausgehst, Kaffee trinkst oder Kuchen backst. Wenn du mit deinem Hund spazieren gehst oder mit deiner Katze schmust. Ein schöner Restaurantbesuch, eine spannende Reise, ein Konzert, ein Ausflug - all das und viel mehr kann mein Leben reicher machen. Aber was macht diese Dinge eigentlich so wertvoll? Ich habe die Erfahrung gemacht: eben weil es sie nicht immer gibt. Ist es jeden Tag warm und scheint die Sonne? Dann wird es mir irgendwann zu warm und ich brauche einen erfrischenden Regen. Wer im Urlaub im Hotel jeden Tag toll Essen gehen kann, der wird dessen auch irgendwann überdrüssig werden und nach einfacher Hausmannskost (zu Hause!) verlangen. Wer schon die ganze Welt bereist hat und anscheinend alles schon kennt, freut der sich noch wirklich auf den nächsten Urlaub? Wer alles in seinem Leben bekommt und alles hat, was sollte der sich noch wünschen? Worauf kann der sich noch freuen? Alle haben und erleben im Überfluss, führt oft zu Überdruss. Und nur, wenn ich in meinem Leben auch Verzicht und Leid kennen gelernt habe, dann kann ich auch wirklich Lebensfreude empfinden und das Schöne im Leben genießen. Nur weil es Dunkelheit gibt, gibt es auch Licht und umgekehrt. Und wenn das Licht in meinem Leben einmal zu erlöschen droht, dann weiß ich als Christin, wie ich es wieder entzünden kann: Jesus Christus ist das Licht meines Lebens. Wenn er mein Leben erhellt, dann kommt wieder Freude in mein Leben, denn ich darf ihn um Kraft bitten, wenn ich kraftlos bin. Ich darf ihn um Hoffnung bitten, wenn Dunkelheit meine Seele umgibt und sich keine Lebensfreude mehr einstellen will. Er will mir Dankbarkeit schenken für alle Kleinigkeiten in unserem Leben. Was mein Leben reicher macht? Das können natürlich viele kleine und große Dinge sein. Das Wichtigste für mich ist: Lieben und geliebt werden – von Gott und Menschen. Sich über Kleinigkeiten freuen und Dankbarkeit lernen. Dazu noch eine kleine Empfehlung eines Lesers aus der „ZEIT“: Was mein Leben reicher macht: Die abendlichen Treffen in der WG-Küche mit meinen Mitbewohnern und die Frage „Und was war dein Highlight des Tages?“ Das bringt uns dazu, selbst dem trübsten, langweiligsten Tag noch einen schönen, erinnerungswürdigen Moment abzugewinnen und ihn zu teilen. Erstaunlich, dass doch nicht alle schlechten Tage komplett schlecht sind. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine nachdenkliche Passionszeit und ein frohes Osterfest,

                    ihre Pastorin        
Dagmar Krauth-Zirkt

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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