Liebe Gemeinde, als ich heute Morgen mit unseren Hunden spazieren gegangen bin, da hörte ich auf einmal ein heiseres Bellen neben mir. Ich schaute mich um – kein anderer Hund zu sehen. Die Geräusche kamen aus der Wiese und auf einmal sah ich den Verursacher: ein einzelner Rehbock sprang durch das hohe Gras und suchte offensichtlich seine Familie. Aber da war niemand mehr. In Panik sprang das Tier schließlich auf die Straße und versuchte auf der gegenüberliegenden Seite in den Wald zu gelangen. Doch dem stand ein Steilhang und dichtes Gebüsch dagegen. Immer wieder versuchte der Rehbock durch das dichte Gebüsch den Hang hin-auf zu gelangen, aber vergeblich. Endlich fand er eine Lücke und er sprang mitten hinein. Man sah es eine Zeitlang rascheln, dann einen Kopf und dann sprang er wieder hinaus auf die Straße. Und da kam, wie es kommen musste, ein Auto. Oh je, dachte ich, hoffentlich gibt es jetzt

 

Wege finden

                    ihre Pastorin        
Dagmar Krauth-Zirkt

 keinen Unfall. Aber der Autofahrer hielt und das völlig verwirrte Tier sprang auf der Straße entlang und dann wieder in die Wiese. Später fand es dann doch einen Weg über den Acker in den Wald – nur fünfzig Meter weiter war das Gebüsch nämlich zuende… Und wir fragen uns: warum hat das dumme Tier das nicht gesehen und wollte mit aller Gewalt mit dem Kopf durch die Wand? Und ich denke mir: so unähnlich sind wir diesem Rehbock gar nicht. Wenn wir in Panik sind, in Verzweiflung, in Unruhe oder Einsamkeit, dann kann es auch uns passieren, dass wir die einfachste oder beste Lösung für unsere Probleme gar nicht erkennen. Dass wir Dinge tun, die uns schaden, anstatt uns weiterzuhelfen. Ich denke da an die Frau im Krankenhaus, die sterben will, obwohl sie gar nicht so krank ist. Der Grund: sie ist einsam und sieht keinen Lebenssinn mehr. Es ist schlimm, wenn man niemanden mehr hat und ganz allein ist. Aber dagegen könnte sie etwas tun. Sie könnte in ein Seniorenheim gehen und dort Anschluss finden. Aber das will sie auch nicht. Dann lieber sterben. Ich denke an die Frau, die schwere Eheprobleme hat. Sie will ausziehen und mit ihren Kindern ein neues Leben anfangen. Ich frage sie: habt ihr denn schon einmal zusammen über eure Probleme geredet und versucht gemeinsam Lösungen zu finden? Ich helfe euch dabei. Gesagt, getan. Die Probleme stellen sich als lösbar heraus, beide finden wieder zusammen und sind jetzt glücklich miteinander. Es kommt nur darauf an, ob ich nur das Gebüsch sehe und mit dem Kopf durch die Wand will, oder ob ich meinen Blick weite und sehe, ob es noch andere Möglichkeiten gibt, meine Probleme zu lösen, mein Leben zu leben. Aber manchmal ist es halt so, dass wir uns in unseren Schwierigkeiten verrennen, einigel, gefangen nehmen lassen wie ein Vogel im Netz. Wir sehen den Ausgang nicht mehr. Das kann so weit gehen, dass wir jeglichen Lebensmut verlieren und resignieren oder am Leben verzweifeln, wie diese Frau im Krankenhaus. Was uns dann hilft ist folgendes: den Kopf erheben und um sich schauen. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Von woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. So heißt es in Psalm 121. Und in Psalm 31 steht: Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten: denn du bist meine Stärke. (…) Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Den Kopf erhoben und die Füße auf weitem Raum und dazu kräftig auf Gott vertraut. Wer so durchs Leben geht, den wirft so schnell nichts um, der findet immer Wege, wo sein Fuß gehen kann. Das wünsche Ihnen allen Ihre Pastorin

Evangelische Kirchengemeinde Kölschhausen  -  Email: info@kirchengemeinde-koelschhausen.de

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